Graubünden - Baukultur

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Burgen und Türme
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Castello Mesocco*

| 6563 Mesocco
Bedeutendste Burganlage Graubündens und eine der grössten Festen in der Schweiz (Poeschel), in beherrschender Lage auf einem von der Moesa im Bogen umflossenen Felshügel.

Frühmittelalterliche Volksburg mit eigenem Gotteshaus, systematisch ausgebaut im 11. Jahrhundert und unter den Herren von Sax im 12. Jahrhundert und Anfang 15. Jahrhundert. Nach Verkauf an die mailändische Familie Trivulzio 1480 spätmittelalterlicher Ausbau. Unter Druck der Drei Bünde 1526 Räumung der Burg und planmässige Schleifung, der Bergfried erst 1835 durch Blitzschlag zerstört; Bestand gesichert 1925– 26, Teilsicherung 1990–93.

Drei Wehrabschnitte: Vorwerk mit der Kirche Santa Maria, nur wenige Mauerreste erhalten. Grosser Burghof entlang der Plateaukante von einer durch fünf verschiedenartige Türme verstärkten Mauer umzogen. An seiner Südwestseite die «Rocca», selbständiges, bewehrtes Gebäudeviereck mit Bergfried (2. Hälfte 12. Jahrhundert), Palas (15. Jahrhundert) mit Resten von Wandmalereien Anfang 15. Jahrhundert, Nebengebäuden und Zisterne; teilweise erhalten.

Nördlich des Palas Kirchenruine S. Carpoforo. Erwähnt 1219, Umfassungsmauern erhalten: Kleiner Saal 11. Jahrhundert, mit hufeisenförmiger Apsis, welche flach hintermauert ist; an der Ostwand Lisenen, die ursprünglich wohl mit drei Bogen geschlossen waren. Von der Vorgängerkirche des 8. Jahrhundert oder früher ist das Fundament der nördlichen Schiffswand sichtbar. Der Glockenturm, wohl 11. Jahrhundert, steht in Achsendrehung frei in der Nähe der Nordwestecke des Schiffs: Unterbau mit Blendfeldern und dreiteiligen Rundbogenfriesen, in den fünf Obergeschossen gekuppelte Rundbogenfenster, stumpfes Zeltdach.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)

Literatur
Mesocco. Castello e chiesa Santa Maria del Castello, Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 362/ 363, Bern 1985.