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Romanischer Kirchenbau
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Kapelle St. Lorenz

| 7417 Paspels
Nördl. des Dorfes über Felsabsturz, möglicherweise Teil einer alten Fluchtburg. Mutterkirche der östl. Talseite; erwähnt 1246, als sie dem Kloster Churwalden übereignet wurde; sie verliert im Spätmittelalter den Rang einer Pfarrkirche zugunsten von Tomils. Renov. 1957.

Spätroman. Eingangsturm 13. Jh. südl. des ersten Jochs, mit gekuppelten Rundbogenfenstern und Zeltdach. Im dreijochigen, flachgedeckten Schiff Blendarkaden mit gestuften Wandvorlagen und Ansätzen für Gewölbe, die, wie die Grabung 1957 nachwies, zu einer – als Typus in Graubünden sonst unbekannten – zweischiffigen roman. Hallenkirche des 11.–12. Jh. gehört.

An der Stelle der zugehörigen halbrunden Apsis entsteht A. 13. Jh. der heutige querrechteckige Chor; gleichzeitig Ausbruch der Gewölbe. Im Altarraum und an der Chorbogenwand spätroman. Wandmalereien A. 13. Jh.: Majestas Domini mit den Evangelistensymbolen und den Aposteln; in der Fensterleibung Opfer Kains und Abels; in der Sockelzone (stark zerstört) hl. Drei Könige und Leben des hl. Laurentius;am Chorbogen kaum deutbare Spuren. An der W-Wand Kopie jener bei der Freilegung der roman. Wandbilder an der östl. Chorwand zerstörten Malerei des sog. «weichen Stils», kurz nach 1400 wohl vom Meister von Mistail: Haupt Christi und die hll. Petrus und Paulus.

Unter dem O-Fenster des Chors gemauerter Kastenaltar mit profilierter Marmorplatte, die zu einem Tischaltar des 5.–6. Jh. gehörte, der urspr. in einer bislang nicht lokalisierten, aber in der Nähe anzunehmenden frühmittelalterl. Kirche stand; im Marmorsepulkrum fanden sich Textilfragmente, ein Silberreliquiar (wohl 5. Jh.), eine Reliquienbüchse aus Hirschhorn (8. Jh.) und ein Holzkästchen, die sich zusammen mit einem in der N-Ecke gefundenen Zinnkruzifix (um 600) im Churer Domschatz befinden. Orgel 1973.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)