Graubünden - Baukultur

Logo Kantonsbibliothek Graubünden Kantonsbibliothek Graubünden
Biblioteca chantunala dal Grischun
Bliblioteca cantonale dei Grigioni
Romanischer Kirchenbau
zurück zur Liste

Katholische Pfarrkirche S. Giulio*

| 6957 Roveredo GR
Erwähnt 1219; Neubau des Chors um 1300, Turm vor 1430, Seitenkapellen vielleicht Ende 15. Jahrhundert/Anfang 16. Jahrhundert, Verlängerung des Schiffs um 1643; Renovation 1945, damals Freilegung des Bruchsteinmauerwerks.

Grosser mittelalterlicher Bau mit romanisch-gotischem Chorpolygon, chornahen Seitenkapellen und zweigeschossigem Nordannex. An der Südseite postromanischer Turm mit Flachnischen und Rundbogenfriesen in den obersten drei Geschossen. Am Chor Rundbogenfriese zwischen Lisenen, an der südlichen Schiffswand vermauerter Eingang mit roh behauenen Gewändesteinen. Pilastergerahmtes Giebelportal 1643.

Im Langhaus kassettierte Balkendecke, an der Nordseite die Taufkapelle und darüber das Oratorium der Sakramentsbruderschaft, das sich mit einer rundbogigen Doppelarkade auf eine hölzerne Galerie öffnet. Im Chor Kreuzfächergewölbe.

Wandmalerei. Einheitliche Renaissance-Ausmalung des Chors 1545 von Hieronymus Gorla (stark überarbeitet), im nördlichen Wandschild die lateinischen Kirchenväter und heiliger Julius, an der Abschlusswand Schmerzensmann, an der südlichen Schrägwand die heiligen Barbara und Antonius; im Gewölbe Majestas Domini, im Chorbogen Propheten, an der Chorbogenwand Verkündigung, darüber Renaissancefries in Grisaille. An der Südwand des Schiffs Fragment einer Sebastiansdarstellung 1479 von Christoforo da Seregno. Zwei 1945 entdeckte Fensterchen in der südlichen und nördlichen Schiffswand zeigen Malereien vom Anfang 14. Jahrhundert mit frühgotischen Spiralranken bzw. Quadermalerei.

Ausstattung: auf dem Hochaltar tempelförmiger Barocktabernakel 17. Jahrhundert; zwei Kerzenstöcke mit Puttenträgern um 1650. Seitenaltäre aus Stuck, um 1630, mit halbfigurigen Karyatiden, in der Nische links spätgotische Muttergottesstatue aus der Strigel-Werkstatt um 1500; rechts Gemälde der Schutzmantelmadonna um 1630–40 Mathis Chefeler zugeschrieben, Antependium in Stucco lustro um 1740–50.

In der südlichen Seitenkapelle frühbarocke Stuckaturen und Stuckaltar 1634 von Domenico Pacciorini; restauriert 1998. Die Stuckaturen der nördlichen Seitenkapelle Mitte 17. Jahrhundert, gleichzeitig die teils stark überarbeiteten Wandmalereien. In der Taufkapelle marmorner Taufstein mit oktogonalem Holzaufsatz 1607.

An der rechten Langhauswand auf Leinwand übertragenes Wandbildfragment des Abendmahls nach Leonardo um 1540–50 aus der Kapelle S. Fedele. An der Galeriebrüstung des Oratoriums 26 Bildszenen zum Thema der Sakramentsverehrung 1690 von Nicolao Giuliani. Apostelserie 2. Hälfte 17. Jahrhundert (stark überarbeitet). Gemälde 17./18. Jahrhundert Grabtafeln 17. Jahrhundert. Mittelalterliches Steinfragment mit Wappen und feinem Flechtmotiv.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)'