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Barockkirchen
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Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist

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Eine der grössten Barockkirchen Graubündens mit dem ältesten von Ivo Strigel signierten Schnitzaltar.

Erwähnt 1261; neugebaut 1640–43; Renov. 1799 nach Brandschaden beim Franzoseneinfall und 1927–28; Rest. 1973–76, damals Nachweis eines roman. und eines got. Vorgängerbaus im O-Teil des heutigen Langhauses; Gewölbesicherung 1997–98. Nach SW gerichtetes Schiff mit Seitenkapellen und von Streben eingefasstem Polygonalchor.
Der im Kern vielleicht ins 11. Jh. zurückreichende Turm steht nördl. in der Flucht der Fassade, barockisiert 1667, Zwiebelkuppel wohl nach 1799, rest. 1991; an der O-Seite Christophorusbild 2. H. 15. Jh. eines wohl seregnesischen Meisters, freigelegt und rest. 1973–74.

Gewölbte Vorhalle unter Walmdach mit Beinhaus und Wochenkapelle; in letzterer spätgot. Flügelaltar* 1489 aus der Werkstatt Ivo Strigel, rest. 1972–77: Im Schrein Muttergottes, zu ihrer Linken die hll. Sebastian und Johannes d. T., zur Rechten Magdalena und Petrus; in Ecknischen Halbbüsten der hll. Ulrich und Nikolaus; auf den Flügeln links die hll. Katharina und Ursula, rechts Barbara und Margaretha, in der Predella Christus und die Apostel; auf der Predella Statuetten der hll. Luzius und Florinus; in der Schreinbekrönung Leidenschristus mit Maria und Joh.; die Malereien auf der Rückseite werden Bernhard Strigel zugeschr., auf den Flügeln die Klosterpatrone Placidus und Sigisbert sowie die hll. Martin und Antonius, am Schrein Jüngstes Gericht.

Am Hauptportal monumental gestaltete hölzerne Kirchentür mit Architekturgliederung und Papierauflagen dat. 1647; im gesprengten Portalgiebel spätgot. Figur des Täufers. Im tonnengewölbten Inneren Wandgliederung durch Pilaster und umlaufendes Gebälk, das im Chor von nachgot. Spitzbogenfenstern unterbrochen wird; niedere Spitzbogenfenster auch im Schiff, z. T. mit Masswerkfragmenten. Unter dem Gebälk öffnen sich rundbogige Arkaden zu den chornahen Seitenkapellen, welche durch kleine Fensterpaare mit Masswerk belichtet sind.

Barockstuckaturen über den Kapelleneingängen 1670–80, gleichzeitig die Archivolte des Chorbogens, die Verkündigungsgruppe über dem Chorbogen und die Putten über den Gewölbestücken; die hochbarocken Stuckaturen am Chorgewölbe nach Befund rekonstr. 1974; die zierlichen Stuckaturen in den Lünetten über den Sängerlogen und in den Tonnen der Seitenkapellen um 1799; neubarocke Stuckaturen am Schiffsgewölbe 1930. Hochaltar 1810 von Plazi Schmid unter Verwendung älterer Teile, umgestaltet 1941; Tabernakel aus Brienz um 1660. Seitenaltäre mit barocken Elementen, neu zusammengestellt nach 1799. Kapellenaltäre aus Stuck um 1640. Kanzel und Chorgestühl um 1800. Kreuzwegstationen 1806 von Domenicus Sartori. Orgel 1977.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)