Graubünden - Baukultur

Logo Kantonsbibliothek Graubünden Kantonsbibliothek Graubünden
Biblioteca chantunala dal Grischun
Bliblioteca cantonale dei Grigioni
Karolingischer Kirchenbau
zurück zur Liste

Kirche St. Peter* Mistail

Mistail | 7451 Alvaschein
Karolingische Kirche in einsamer Lage über der Albulaschlucht, erbaut um 800 oder wenig früher auf den Grundmauern eines älteren Sakralbaus. Älteste und besterhaltene Anlage vom Typus des rätischen Dreiapsidensaales.

Ursprüngliches Frauenkloster Wapitinis, erstmals erwähnt 926, aufgelöst 1154. Durch Grabungen 1968–69 und 1983–84 mehrere Vorgängerbauten nördlich und südlich der jetzigen Anlage nachgewiesen, ferner nördlich Konventgebäude und südlich ein Memorialbau (unter Schutzbau konserviert). Turm und Sakristei vor der Neuweihe 1397, Beinhaus aus unbekannter Zeit. Restauriert 1968–79.

Breiter Saal mit drei hufeisenförmigen Apsiden, von denen die mittlere etwas breiter ist; eine vierte Apside eines Nordannexes in den Grundmauern 1943 nachgewiesen. Am Ostgiebel des Schiffs, über den Schieferdächern der Apsiden, sind Reste des karolingischen Glockenjochs zu erkennen. Unter den Apsiskalotten je ein, in der Süd- und Westwand je zwei hochliegende Rundbogenfensterchen. Rundbogiger Westeingang neben dem ungegliederten Turm barock, an der Stelle des karolingischen; in der Nordwand rundbogige Tür. Flache barocke Leistendecke datiert 1640, mittels geschnitzten Ankers am Dachstuhl aufgehängt. In den Apsiden drei gemauerte karolingische Blockaltäre.

Bedeutende Wandmalereien in vier Schichten:

1. Von der karolingischen, mit den Fresken von Müstair verwandten Ausmalung nur noch spärliche Reste an den Schiffswänden und in der Südapsis erhalten.

2. Gotische Fresken von oberitalienischem Charakter um 1400/10 vom so genannten Mistailer Meister, eines der wenigen erhaltenen Beispiele des «weichen Stils» in der Schweiz: in der Mittelapside Christus Pantokrator, umgeben von vier Engeln mit Lesepulten (= Evangelisten) und den Evangelistensymbolen; darunter im ersten Streifen die Apostel, im zweiten der heilige Georg mit dem Drachen, ein Ritterheiliger (wohl Georg als junger Ritter) und Epiphanie; an der Nordwand ausserordentlich grosses Christophorusbild.

3. Archaisch anmutende Malereien eines vermutlich einheimischen Meisters, wohl um 1397 an der Nordwand: heiliger Gallus, Kirchweihe durch Petrus und so genannten Feiertagschristus.

4. Fragmente der barocken Ausmalung 17. Jahrhundert an den Stirnwänden der Mittelapsis.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)

Literatur
St. Peter Mistail GR, Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 254, Bern 1979.