Graubünden - Baukultur

Logo Kantonsbibliothek Graubünden Kantonsbibliothek Graubünden
Biblioteca chantunala dal Grischun
Bliblioteca cantonale dei Grigioni
Waltensburger Meister
zurück zur Liste

Reformierte Kirche*

| 7158 Waltensburg/Vuorz
Die Wandmalereien des so genannten Waltensburger Meisters zählen zu den besten Werken frühgotischer Malerei in der Schweiz.

Erbaut im 12. Jahrhundert an der Stelle eines vorromanischen Saalbaus und unter Einbezug eines bestehenden Turms; Schiff erhöht um 1330, Erweiterung des Chorbogens und Einwölbung des Chors vor 1451, spätgotische Umgestaltung um 1510–20, neue Schiffsdecke und Einbau der Empore 1711; Restauriert 1932–34 und 1970–77.

Rechteckiger Saal mit quadratischem Chor. An der Nordwestecke romanischer Turm des 12. Jahrhunderts mit gekuppelten Rundbogenfenstern und wuchtiger barocker Zwiebelhaube; daneben offene gezimmerte Vorhalle unter gleichem Dach wie die Kirche. Im Schiff flache Felderdecke 1711 mit schablonierten Ornamenten, in der Südwand ein romanisches und ein spätgotisches Fenster. Am nördlichen Fuss des runden Chorbogens tritt der Fels zutage. Im Chor spätgotisches Portal zur nördlichen Sakristei (heute Archivraum), daneben spätgotisches Wandtabernakel mit Blendmasswerk und Zinnenabschluss; romanisches Rundbogenfenster im Scheitel, in der Südwand Fenster mit Fischblasenmasswerk. Gotischer Taufstein mit barockem Deckel des 17. Jahrhunderts; polygonale Kanzel 1672. Orgel 1977.

Wandmalereien*: Auf allen Innenwänden sowie Einzelbilder am Aussenbau aus vier Perioden, entdeckt 1932, restauriert und umfassender freigelegt 1970– 77.

Die ältesten Gemälde in Fresko-Technik um 1330 vom Waltensburger Meister, dessen Malstil sowohl vom höfischen Duktus der oberrheinischen Frühgotik wie auch von alpenländischer Tradition geprägt ist. Seine Figuren heben sich vor blau-schwarzem Grund ab und tragen ockergelbe, rote und olivgrüne Gewänder; Christus ist immer grau gekleidet. An der südlichen Aussenwand des Schiffs Rest einer Epiphanie, darunter Heiligenreihe und Erzengel Michael, daneben Wappen, Kreuzigung und Rest eines heiligen Christophorus. Innen an der Nordwand des Schiffs eindrucksvolle Passionsgeschichte in zwei von horizontalen Ornamentbändern gerahmten Registern, nur das Abendmahl ausgeschieden; anschliessend Einzelfiguren, oben die heiligen Luzius, Florinus, Jakobus der Ältere und ein unbekannter Apostel, unten Martyrium des heiligen Sebastian und Szene aus der Nikolauslegende, die an die Chorbogenwand übergreift; an derselben oben links Heiliger (Apostel?) mit Pfeil und Buch sowie Fragment eines Heiligen im Halbprofil, rechts die Apostel Johannes und Thomas (Rest eines Apostelzyklus), darunter heiliger Konrad; im östlichen Abschnitt der Südwand im oberen Register Fragment dreier Apostel, darunter der heilige Ambrosius sowie zwei heilige Bischöfe.

Von einem unbekannten Meister in Kalkmalerei um 1380 ein Margaretenzyklus an der westlichen Aussenwand sowie die Versuchung des heiligen Antonius an der inneren Südwand des Schiffs.

Von der dritten Etappe ebenfalls in Kalkmalerei um 1450–51 stammen die linearen Malereien des ausgehenden «Weichen Stils» am Aussenbau und im Chor sowie an der südlichen Innenwand des Schiffs: Aussen an der Westfront Schweisstuch Christi, an der Südseite des Chors so genannter Feiertagschristus; an den Chorwänden innen Darstellungen in zwei Bildstreifen mit Szenen aus dem Leben Johannes der Täufer und Jesu sowie Aposteln, Heiligen, Kirchenvätern und Marienkrönung mit Evangelistenmedaillons; an der Innenseite des Chorbogens Jüngstes Gericht, in der Leibung Heilige sowie Wappen Rhäzüns; an der südlichen Schiffswand Gnadenstuhl.

Von der vierten Malschicht «al fresco» um 1510 heiliger Christophorus an der südlichen Aussenwand des Chors.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)