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Romanischer Kirchenbau
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Stiftskirche SS. Giovanni e Vittore

| 6534 S. Vittore
Hauptkirche des Misox und des Calancatals, verbunden mit einem Chorherrenstift. Hochmittelalterl. Gründung erwähnt 1219; als Hallenkirche erb. im 13. Jh., Hauptportal 1498, Einwölbung der Seitenschiffe 1512, Erhöhung des Mittelschiffs 1713 durch Arch. Bernardo Ferrario; Renov. 1931, Rest. 1983–90. Dreischiffige Pfeilerbasilika mit dreiseitig geschlossenem Chor; an der S-Seite roman. Turm 13. Jh. mit Blendbogenfriesen, erhöht E. 15. Jh., Pyramidenhelm E. 17. Jh.; Rest. 1977. Am Aussenbau Lisenengliederung entsprechend den drei Schiffsjochen und Bogenfriese unter den Traufen der Seitenschiffe und des Chors, an der südl. Chorpartie Rest der spätgot. Sgraffitodekoration E. 15./A. 16. Jh.

An der S-Wand monumentales Christophorusbild 1521, unterer Teil ergänzt 1931. Über dem 1498 dat. Rundbogenportal nachgot. Zwillingsfenster mit Renaissance- Ornamenten 1615 von Giovanni Andrioli. Innenraum barockisiert 1731, klassizist. Stuckaturen 1831, Arkadenbogen verändert 1931. Ausstattung: Hochaltar 1805 von Giuseppe Cappella, Leuchterengel 17. Jh.; Chorgestühle um 1700. Seitenaltäre aus Stuck 1643, links von Giovanni Battista Recia, rechts von Giovanni Zuccali, mit Marienfigur 1870; neben dem linken Seitenaltar Sakramentsnische mit Metalltürchen A. 16. Jh. Im dritten Joch des rechten Seitenschiffs das ehem. Altarbild mit der Steinigung des hl. Stephanus 1645 von Bernardo Serodine nach Giulio Romano; im zweiten Joch spätklassizist. Altar 1829 von Giovanni Terzani, Altarbild hl. Carl Borromäus 1832 von Fidelis Patrizio.

Über dem Altar im zweiten Joch des linken Seitenschiffs ein auf die Wand gemaltes Frührenaissanceretabel von 1498, überarbeitet und ergänzt 1931. Reichgeschnitzte polygonale Kanzel 1728. An den Pfeilern der Arkadenempore zwei Wandgemälde der Titelheiligen 1632; Brüstunggemälde M. 17. Jh. zum Thema der Sakramentsverehrung und der Rosenkranzgeheimnisse. Kreuzwegstationen 18. Jh. Zahlreiche Gemälde 17.–18. Jh., u. a. Kreuzigungsbild 1680 von Nicolao Giuliani an der Eingangswand. Steinernes Taufbecken mit tempelförmigem Holzaufsatz A. 17. Jh. Glasgemälde 1931 und 1954 von August Wanner. Im Boden eingelassen Grabplatte 1270 für einen Herrn v. Sax, vier weitere Grabplatten zwischen 1513 und 1555.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)